| Bruocsella Symphony Orchestra asbl/vzw Konzerte 13. und 19. März 2005 |
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Jean Françaix über sich selbst…
In einer kurzen Biografie, um die er 1989 gebeten wurde, schrieb Jean Françaix:
« Eine mit Informationen überhäufte Öffentlichkeit interessiert nicht, dass ich in Le Mans geboren wurde, der Stadt des 24-Stunden Autorennens, außer vielleicht, dass sie sich im Schatten eines wunderschönen Domes befindet, der mich inspirierte zu einem „Oratorio Fantastique“ (Phantastisches Oratorium), "L’Apocalypse selon Saint Jean" (Die Apokalypse nach Johannes). Mein Vater personifizierte die Ruhe und Sturheit der Bewohner Nordfrankreichs; meine Mutter glich eher einem Vulkan, obwohl sie aus Le Mans stammte und Vorfahren aus Lotringen hatte. Als guter Sohn besitze ich etwas von beiden: Der Vulkan erleuchtet die ruhige Landschaft meiner Seele. »
« Als Kind wurde ich von der katholischen Religion geprägt, in einer Stadt, die eine einzigartige Kathedrale besitzt. Jeder einzelne Stein dieses Bauwerks war mir von Kindes Beinen an vertraut. Es war, als ob eine geheime Kraft mich dazu drängte ein Oratorium zu komponieren, das bisher einzige religiöse Werk unter all meinen Kompositionen. Der vorhersehbare Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rief verständlicherweise eine neue apokalyptische Hysterie hervor, daher die Wahl dieses Themas. Als ich 1937 « Die Apokalypse » zum ersten Mal bewusst las, hatte ich jedoch nicht die leiseste Ahnung davon, was ich in der Hand hielt: Hier fand ich nicht nur ein großartiges Thema, das nur selten von früheren Komponisten verarbeitet wurde, sondern auch Antworten auf nahezu alle wichtigen Fragen, die ich mir damals stellte. Ich begann mich ernsthaft mit dem Text auseinander zusetzen. Dabei half mir paradoxerweise zunächst ein recht betagter, absolut ungläubiger Freund und ehemaliger Schüler der « Ecole des Chartes »1 und später die Patres der berühmten Abtei von Solesmes2... »
« Meine „Freunde“ der Zwölftonmusik sagen über mich, ich sei ein erloschener Vulkan, und ich werde mich hüten, ihnen zu widersprechen. Mein einziger Garantieschein ist ein erster Preis am Konservatorium von Paris in der Klasse Klavier, was nicht gerade viel ist. Einige Orden verzieren meine Brust, was in Frankreich durchaus nichts ungewöhnliches ist. Doch meine Lehrerin für Komposition, Nadia Boulanger, war außer Stande, mir Harmonielehre oder Kontrapunkt und erst recht die Technik der Fuge beizubringen. Um ihren guten Ruf zu wahren, verkündete sie überall, dass ich das instinktiv beherrschte. Aus Liebe zur Wahrheit sei hier festgehalten, dass, wenn ich komponiere, all die schönen Theorien ins Hintertreffen geraten. Die Schnellstrassen der Gedanken interessieren mich weit weniger als die Waldwege. Zur Beruhigung der Fans gerader Strecken sei bemerkt, dass ich durchaus meine Werke in der Carnegie Hall, in München oder in Rom spielen und dirigieren kann und in der Lage bin, so eminenten Taktstöcken zu folgen wie denen vom alten Keilberth bis hin zum jungen Klaus Rainer Schöll, ganz zu schweigen von meinem "Concertino" unter der Leitung eines gewissen Herbert von Karajan... »
"Seit meiner zartesten Kindheit aber bin ich vom Virus des Komponierens befallen. Vor einem weißen Blatt Papier zu sitzen und etwas aus dem Nichts zu erschaffen: ... was für ein berauschendes Gefühl! Aus seinem eigenen Gefängnis auszubrechen: ...welch ein Privileg! Und das ganz ohne Risiko: Sollte sich das Werk als wertlos herausstellen, werde ich nicht mehr da sein, um es feststellen zu können ... und dann wird Gott mich dafür trösten, falls ich bei ihm Aufnahme finde ..."1. « L’Ecole des Chartes » (Gründung: 1821): Ausbildungsstätte für Archivare, Bibliothekare und Experten alter Schriftstücke (Anmerkung des Übersetzers)
2. Seit 1833 französisches Mutterhaus des Benediktinerordens (Anmerkung des Übersetzers)
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