Bruocsella Symphony Orchestra

       Bruocsella Symphony Orchestra asbl/vzw

Konzerte 13. und 19. März 2005

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Die Musik von Jean Françaix…

Selbst wenn sich Jean Françaix durchaus der Reihe der Komponisten wie Debussy, Poulenc, Milhaud, Roussel, Chabrier usw. zuordnen lässt, war er in erster Linie ein Individualist. Nach seiner Ausbildung bei Nadia Boulanger, an deren Kompositionsklassen er teilnahm, ging er seiner eigenen Wege, völlig unabhängig und sehr erfolgreich. Bis zu seinem Tod gelang es ihm immer wieder durch Neuheiten Erstaunen hervorzurufen.

Schon beim ersten Hinhören ist auffallend, welche Frische, welche Intelligenz und welcher Stil Jean Françaixs Kunst ausstrahlt. Seit seinen ersten ausgereiften Partituren, die um 1931-32 erschienen, gewann er durch diese Charakteristika seiner Arbeiten die Herzen der Musiker und der Musikliebhaber über Generationen hinweg.


(Quelle: Archive der
Familie Françaix)

Der internationale Durchbruch gelang ihm 1936 auf dem Festival für zeitgenössische Musik in Baden-Baden. Dort stellte er sein Concertino vor und wurde so zum Kontrahenten Stravinskys, der sein Concerto pour deux pianos mit seinem Sohn Sviatoslav [Soulima] uraufführte! Der überwältigende Erfolg des Concertinos veranlasste Stravinsky dazu, ihm die Schuld daran zu geben, dass seine eigene Komposition weniger Beachtung fand. « Zum Glück », schrieb Jean Françaix später, « beehrte mich Stravinsky mit seiner Freundschaft… und der Abend endete in familiärer Atmosphäre mit einem Essen in einem ausgezeichneten Restaurant.» »

Sein Werk ist der französischen Schule des faire plaisir (Freude vermitteln) zuzurechnen, die Debussy so sehr am Herzen lag. Vorboten dieser ästhetischen Wahl sind wohl schon in seinem „Glaubensbekenntnis“ zu erkennen, das er im Alter von 12 Jahren verfasste:

« « (…) Um den Alltag aufzulockern ließ mein Vater von Zeit zu Zeit Künstler aus Paris kommen. So hörte ich im Alter von 12 Jahren das berühmte Capet-Quartett, das sich mit Vorliebe durch die späten Quartette Beethovens spielte. Schließlich behielten die Herren mit einem anspruchsvollen Quartett von Brahms die Oberhand über mich. Während ihres Vortrags, noch bevor das 2. Thema des 1. Satzes eingesetzt hatte, fiel ich in einen tiefen Schlaf.

Als ich wieder aufwachte, schwor ich mir, Zuhörer niemals mit der Musik zu langweilen, die ich für mein Leben gern komponieren würde. »»

Während seiner langen Karriere als Komponist blieb Jean Françaix dem Schwur treu «durch seine Musik die ins Vergessen geratene Frische der Kindheit wieder aufleben zu lassen » (Bernard Gavoty). Gerade diese Fröhlichkeit, wie auch seine Vorliebe für Melodien und seine Abneigung gegen atonale Ausdrucksformen machten ihn zum Außenseiter der Komponisten des XX. Jahrhunderts. Sie ließen ihn jedoch nie von seinen ursprünglichen Richtlinien abweichen. Er bezeichnete sich selbst gerne als alten, vertrottelten Reaktionär, hätte aber für nichts in der Welt seine Unabhängigkeit einer Mode oder doktrinären Bewegung geopfert. Auf die folgende Frage, die Bernard Gavoty ihm 1957 stellte: « Wir wissen alle, dass das Publikum der zeitgenössischen Musik mit Skepsis und Zurückhaltung begegnet. Glauben Sie, dass manche dieser Kritikäußerungen gerechtfertigt sind? » antwortete er nicht ohne Humor:

« Ich wäre gerne der hinkende Teufel von Lesage und wünschte mir, ich könnte genau dann einen Blick unter die Dächer der Wohnhäuser werfen, wenn bestimmte Sendungen zeitgenössischer Musik laufen. Ich wette, dass nach zehn Minuten nur noch vier oder fünf Zuhörer übrig bleiben, zu denen der Autor des Stückes und die Familienmitglieder gehören, die ihm am meisten zugetan sind. Die echte zeitgenössische Musik wird erst dann Triumphe feiern, wenn sie nicht mehr zeitgenössisch ist, in einem halben Jahrhundert etwa, wenn der Zahn der Zeit ganze Arbeit geleistet hat. Ich will damit auf die falschen Stravinskys ansprechen, die heute neun Zehntel der sogenannten zeitgenössischen Musik ausmachen und sich mit Gütezeichen sehr fragwürdiger Güte schmücken. Vor zehn Jahren waren falsche Debussys im Umlauf, nichts hat sich verändert mit der Zeit, es ist alles beim alten geblieben. »

Von seinem Publikum erwartete Jean Françaix immer die gleiche Geistesfreiheit, wie aus der Aussage zu entnehmen ist, die er als Vorwort zu einer Aufnahme seiner Kammermusik schrieb:

« Für einen Komponisten ist es äußerst schwierig, über seine eigenen Werke zu sprechen. Lobt er sie, gilt er als Prahlhans; kritisiert er sie in Grund und Boden, wird ihm falsche Bescheidenheit vorgeworfen. Zerlegt er sie analytisch in Thema A, Thema B, beeindruckt er die Musikwissenschaftler, langweilt aber die Musiker. Wenn ein Werk irgendeinen Wert hat, dann gebraucht es keiner Erklärung.  Außer vielleicht dieser: Kein esoterischer Kommentar schafft es, das Werk zu verbessern, denn 0+0 ist und bleibt 0.

Du aber, wertes aufgeklärtes Publikum, solltest die Ohren spitzen und den Mut haben zu denken: "Diese Musik gefällt mir, oder gefällt mir nicht". Zwischen meiner Musik und Dir sollte es keinen Mittelsmann geben, der es mehr oder weniger darauf absieht Dein Urteil zu beeinflussen. Denke daran, dass Du aus freien Menschen bestehst und nicht aus folgsamen Robotern. Lasse Hochnäsigkeit, Mode und Eifersüchtige an Deinem Urteilsvermögen zerschellen. Gebe Dich ganz Deinem Vergnügen hin, wenn Du es empfindest – was ich natürlich zu hoffen wage (…).  »

Jede Wette, dass immer mehr Musikliebhaber an dem Vergnügen teilhaben werden, das er uns so grenzenlos durch sein Werk bereitet.
Kurzbiographie... Jean Françaix über sich selbst… Konzert für Klarinette und Orchester
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Profession de foi

« Glaubensbekenntnis » des zwölfjährigen Jean Françaix (Quelle: Archive der Familie Françaix)


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